09.-11.Juni: Trauer statt Hass – Gegen Gewalt an Frauen* und rechte Instrumentalisierung

>> Trauer statt Hass <<
Gegen Gewalt an Frauen* und rechte Instrumentalisierung

Als wir von dem Tod der 14-jährigen Mainzerin Susanna erfuhren, waren wir alle sehr geschockt. Wie viele Mainzer*innen wussten wir, dass sie bereits wochenlang vermisst gemeldet war. Umso schlimmer ist es nun für uns und vor allem für die Angehörigen von Susanna die traurige Gewissheit zu haben, dass sie nicht mehr lebt. Wir möchten unser tiefstes Mitgefühl und Beileid für alle Nahestehenden von Susanna ausdrücken. 

Um Susannas Tod würdig zu gedenken möchten wir das Wochenende dafür nutzen, den Menschen in Mainz die Möglichkeit zu geben, gemeinsam ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen und der Familie Solidarität und Mitgefühl zu zeigen. Wir wollen außerdem auf die Straße gehen, um aufzuklären über die schreckliche Gewalttat und ihre Hintergründe.

Die Vergewaltigung und der Mord an dem Mädchen zeigen, dass diese Gesellschaft zutiefst patriarchal ist und viele Frauen* Opfer von Männern werden, die ihre gesellschaftliche Vormachtstellung ausnutzen, um sie zu unterdrücken. Denn Susanna ist kein Einzelfall! In Deutschland liegt die Zahl der Frauen, die körperliche, sexuelle und/oder psychische Gewalt vor dem 15. Lebensjahr erlebt haben bei 44%. Fast jede zweite Frau hat demnach von Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit berichtet. Davon haben 42% körperliche und/oder sexuelle, 37% körperliche und 13% sexuelle Gewalt erfahren.* Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher sein, da viele Missbrauchsfälle nicht zur Anzeige gebracht werden. Diese Zahlen lindern natürlich nicht den Schmerz, den ihr Tod hervorgerufen hat. Sie zeigen aber, dass es vielen so ergehen kann, wie Susanna. Und dass ihr Tod eine Lehre für uns sein muss! Nämlich uns mit der Frage zu beschäftigen, wie wir solche Gräueltaten in Zukunft verhindern können, wie wir die Gesellschaft so beeinflussen können, dass sie sich abwendet von den derzeitigen Verhältnissen, in denen Menschen die Macht gegeben wird die Freiheit und die Selbstbestimmung anderer zu beschneiden, oder gar zu vernichten. Überall dort, wo sich Männer das Recht herausnehmen, über eine Frau zu bestimmen, über ihren Körper, über ihr Leben, müssen wir Widerstand leisten! Der Druck auf Menschen, die die sexuelle Selbstbestimmung anderer nicht respektieren, muss immens erhöht werden. Eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn alle frei sind über sich und ihren Körper zu bestimmen. Wenn wir versuchen diese Themen so oft wie möglich anzusprechen, mit Partner*in, Freund*innen, Bekannten und allen Menschen, die wir erreichen können; wenn wir die Strukturen benennen und angehen, die solche Denk- und Handlungsmuster hervorbringen; und wenn wir uns Gedanken machen und diese verbreiten und auch aktiv werden, bei jeder Ungerechtigkeit, die wir beobachten: Dann können wir die Gesellschaft verändern und diese Welt zu einem Ort machen, in dem irgendwann keine Frau* mehr sexuelle Gewalt erleben muss!

Leider müssen wir mit Erschrecken feststellen, dass Rechtspopulisten und Rechtsextreme versuchen, an diesem Wochenende in Mainz den Tod von Susanna für ihre widerliche, rassistische Hetze zu instrumentalisieren. Und das deshalb, weil der mutmaßliche Mörder Iraker ist. Den Rechten geht es nicht um Trauer, sondern um Hass. Sie wollen ihren Hass auf Geflüchtete und Nicht-Deutsche verbreiten, in dem sie seine Taten auf seine Herkunft reduzieren. Wenn man sich jedoch intensiv mit der Thematik befasst, kommt man zu dem Schluss, dass das Problem von einer männlich-autoritären Gesellschaft ausgeht, die wir in fast jedem Land der Welt vorfinden. In diesen patriarchalen Gesellschaften, wie wir sie zurzeit auch noch in Deutschland vorfinden, wird es von dir erwartet die Klappe zu halten, wenn dich jemand missbraucht, der in der Hierarchieebene über dir steht. Das sind, unter anderem, die Hintergründe, warum es so viel Gewalt gegen Frauen* gibt und nicht die rassistischen Erklärungsversuche der Rechten.

Termine

Am Samstag, den 09. Juni findet um 13Uhr eine Gedenkkundgebung auf dem Petersplatz (beim SchonSchön) statt. Hier möchten wir einen Raum schaffen, um der verstorbenen Susanna zu gedenken und unsere Trauer kund zu tun. 
Am gleichen Tag mobilisiert die AfD um 15Uhr vor die Staatskanzlei in Mainz und versucht dort ihre rassistische Hetze zu verbreiten. Lasst uns gemeinsam ein Zeichen für Susanna und gegen die Instrumentalisierung durch die AfD setzen.

Am Sonntag, den 10. Juni findet um 12:30Uhr eine Demonstration unter dem Titel „stop the violence! – für einen antirassistischen Feminismus“ statt, die am Hauptbahnhof in Mainz beginnt. Dort möchten wir vor allem über strukturellen Sexismus und Gewalt an Frauen in unserer Gesellschaft aufklären. Gleichzeitig möchten wir uns mit dieser Demo gegen jeden Versuch von rechts stellen, Rassismus in den Feminismus zu integrieren. Unser Kampf für die Befreiung der Frauen bleibt antirassistisch! Und das werden wir auch den „Beweg was Mainz“-Teilnehmer*innen mitteilen, die sich ab 15Uhr auf dem Helmut-Kohl-Platz versammeln wollen. Diese Menschen haben sich bereits früher unter dem Namen „Merkel muss weg“ in Mainz versammelt und islamfeindliche und neurechte Parolen verbreitet. Macht euch jedoch bitte die besondere Situation bewusst und überdenkt die Ausdrucksweise eures Protestes.

Am Montag, den 11. Juni finden um 17:15Uhr Proteste auf dem Gutenbergplatz statt. Diese richten sich gegen eine Gruppe Rechtsextremisten, die sich ab 18Uhr auf dem Domplatz versammeln möchten. Sie sind zuvor in Kandel aufgetreten, wo sie Neonazis und Rechte aus ganz Deutschland mobilisiert haben. Dort kam es sogar zu gewalttägigen Übergriffen gegen Gegner*innen. Deshalb ist an diesem Tag unser Ziel ganz klar: Wir möchten diesen Hetzern nicht eine Sekunde das Wort und den Platz überlassen!

Lasst uns deshalb zusammen und auf die Straße gehen! Lasst uns gemeinsam einen Ort finden, an dem der Trauer und der Schmerz über den Tod von Susanna Platz hat. Lasst uns gemeinsam gegen die sexuelle Gewalt und die Unterdrückung aller Frauen* protestieren. Und lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen, dass wir diesen schrecklichen Tod niemals von Rechtsextremen instrumentalisieren lassen werden.

*Quelle: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/eu-weite-erhebung-gewalt-gegen-frauen-fra-2014.html

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